Altstadt & Lehel Zentrum
Das grande Zentrum: Schumann’s am Hofgarten, die ORY Bar beim Platzl, die Goldene Bar im Haus der Kunst, die Jahreszeiten Bar an der Maximilianstraße, das italienische Bar Centrale und Falk’s Spiegelsaal im Bayerischen Hof.
Ein sorgfältig kuratierter Führer
Zwölf Adressen in der nördlichsten Stadt Italiens, wo der Negroni — und die italienische Aperitivo-Stunde — mit dem Ernst behandelt werden, den sie verdienen.
München, die nördlichste Stadt Italiens
München trinkt Bier — die Maß, den Biergarten, das ist die örtliche Selbstverständlichkeit. Aber die Stadt blickt seit jeher nach Süden: Goethes Sehnsucht nach Italien, die italienische Architektur (die Feldherrnhalle nach Florenz’ Loggia dei Lanzi, die Theatinerkirche als erste italienische Spätbarockkirche nördlich der Alpen) — und seit dem Anwerbeabkommen von 1955 eine der größten italienischen Gemeinschaften Deutschlands, mit Espresso, Gelato und Aperitivo.
In den Bars, die folgen, lebt die Aperitivo-Stunde fort, nun gekreuzt mit einem Negroni, der so serviert wird, wie er gehört: zu gleichen Teilen, ein großer Eiswürfel, eine ausgedrückte Zeste. Zwölf Adressen. Alle geprüft. Keine zufällig.
Geografie des Durstes
Vier Ecken Münchens tragen das meiste Gewicht. Jede hat ihr eigenes Tempo — und ihre eigene Geschichte mit dem Glas.
Das grande Zentrum: Schumann’s am Hofgarten, die ORY Bar beim Platzl, die Goldene Bar im Haus der Kunst, die Jahreszeiten Bar an der Maximilianstraße, das italienische Bar Centrale und Falk’s Spiegelsaal im Bayerischen Hof.
Das kreative Herz: an der Isar destilliert und experimentiert die Zephyr Bar, gestaltet Trisoux seinen Designraum, hält Pacific Times die American-Bar-Kultur und gießt Curtain Call den hauseigenen Gin.
Das Museumsviertel um den Königsplatz und die Pinakotheken. An den Lenbachgärten führt die Florio Bar des Charles Hotel die Aperitivo-Stunde an — die italienischste Adresse der Stadt.
Südlich des Hauptbahnhofs, am ruhigen Beethovenplatz: die Bar Gabányi, die echte Schumann-Linie, mit eigenen Destillaten und Deutschlands erster Ardbeg Embassy. Für den späten, klassikfreudigen Drink.
Eine Karte für den Abend
Von der Altstadt bis an die Isar — alle liegen im Zentrum, keine weiter als ein kurzer Spaziergang oder eine Tramfahrt von der nächsten. Macht einen Abend daraus.
Drei Lesarten desselben Glases
Einen offiziellen „Münchner Negroni“ gibt es nicht. Aber die Zutaten für einen, der durch und durch bayerisch ist, liegen bereit — vom Münchner Gin bis zum ersten Bio-Amaro Deutschlands.
Selbst zu bauen — oder höflich bei einem der Barkeeper dieser Liste zu erfragen.
Der klassische Negroni nimmt Campari. Bayern hat seinen eigenen bitteren Roten: Mondino Amaro Bavarese aus Traunstein, Deutschlands erster Bio-Amaro, dessen Rezept in den 1960ern aus Italien kam. Dazu THE DUKE, in München destilliert — mit Hopfenblüten und Malz, also bayerisch bis in den Wacholder. Schon das Wort Wermut stammt aus dem Deutschen. THE DUKE schenkt selbst einen „Bavarian Negroni“ aus. Kein Hausrezept einer Bar, sondern ein Vorschlag: probiert ihn.
Jede Adresse dieser Liste, höflich bestellt.
Gleiche Teile. Immer. Das 1:1:1 ist der Vertrag; bricht ihn ein Barkeeper ungefragt, geh höflich. Keine dieser zwölf Bars tut das.
Jahreszeiten Bar · Maximilianstraße 17 · eine Haus-Variation
An der Maximilianstraße baut Barchef Aleksandar Vujin einen Negroni mit Trüffel — eine erdige, luxuriöse Lesart des Klassikers, passend zum Grandhotel-Rahmen des Vier Jahreszeiten. Beweis, dass auch München dem Verhältnis 1:1:1 etwas Eigenes hinzufügt.
Von Florenz nach München, über die Alpen
Goethes Italienische Reise erscheint und prägt die deutsche Sehnsucht nach Italien. München baut sie in Stein: die Feldherrnhalle nach Florenz’ Loggia dei Lanzi, die Theatinerkirche als erste italienische Spätbarockkirche nördlich der Alpen. Die Stadt blickt nach Süden, lange bevor sie den Negroni kennt.
Florenz, Caffè Casoni. Graf Camillo Negroni bittet den Barmann Fosco Scarselli, seinen Americano zu verschärfen — Gin statt Soda. Das Glas trägt fortan den Namen des Grafen. Im selben Jahr entsteht in Padua der Aperol.
1955 unterzeichnen Deutschland und Italien das Anwerbeabkommen; Italiener werden eine prägende Münchner Gemeinschaft — heute die drittgrößte —, mit Espresso, Gelato (Sarcletti seit 1879) und Aperitivo. 1982 eröffnet Schumann’s. Und seit THE DUKE (Münchner Gin, 2008) und Mondino lässt sich ein Negroni bauen, der durch und durch bayerisch ist. München — die nördlichste Stadt Italiens — schenkt ihn ein wie ein Einheimischer.